Mooie recensie van het concert in het Erbdrostenhof in Münster (Westfälische Nachrichten)

Aha-Effekte am laufenden Band

Münster - Wer so viel Liebe zum historischen Tasteninstrument hat wie Marieke Spaans, findet ganz von selbst poetische Worte. Zwei Tage habe sie bei diesem Fortepiano im Erbdrostenhof „zu Gast“ sein dürfen - nun sei das alte Schmuckstück „aus dem Dornröschenschlaf wachgespielt“. Auch nach ihrem hochkarätigen Konzert mit dem Geiger Anton Steck sprudelte sie weiter und erklärte dem knappen Dutzend von Interessierten, die das Fortepiano (Wien 1828) noch umringten, welche Finessen sie gerade gehört hatten.
Fünf Pedale ermöglichten der Leonhardt-Schülerin Spaans Nuancen, die von der Bauart moderner Klaviere hinweggespült wurden: Dieser Zug bewirke einen „silbrigen“, gedämpften Klang; und jener, der „Türkenzug“, mache das fröhliche Tschingderassa, das bei der Bearbeitung von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ (Ouvertüre) so schön orientalisch klang. Da kam bei der gelernten Cembalistin die Professorin für historische Tasteninstrumente zum Vorschein

Dies Erbdrostenhofkonzert strotzte vor Aha-Effekten. Der schönste: Historische Aufführungspraxis muss nicht spröde sein. Oft entlockten Spaans und Steck den Wiener Klassikern eine Süße, die staunen machte. Kein Historismus der raubauzigen Art. Das lag besonders am sensiblen, teils hauchzarten Strich von Anton Steck, der seiner Barockvioline (Alessandro Gagliano 1701) ein wenig Vibrato nicht versagen wollte. So kommt man der Seele eines Andantes von Mozart (Sonate KV 526) ganz nah. Und spritzige Läufe schüttelt dies bestens eingespielte Musiker-Duo aus dem Handgelenk.

Schubert ist schwerer. Er, der sich so innig aussingt, erhält eine knarzige, herbe Note, an die man sich gewöhnen muss. Diese g-Moll-Sonate singt mit kratzigem Hals, wenn auch mit Format. Nach der Pause dann Mozarts „Entführung“, die Christian Gottlob Neefe fürs Fortepiano arrangierte. Da sprudeln dann die Opern-Hits, und im hölzernen Korpus stampft eine kleine Pauke! Schnurstracks stürzt sich Anton Steck ins Getümmel - „als Paganini“. Mit schwarzem Bart und wehender Mähne kommt er dem legendären „Teufelsgeiger“ optisch wirklich nah. Um kaltes Virtuosentum geht es ihm bei dessen A-Dur-Sonate aber ausdrücklich nicht. Die Pizzicati fetzen trotzdem übers Griffbrett, da schnellt der Beifallspegel natürlich noch höher.

Als Finale erklingt Beethovens „Frühlingssonate“, die man so frisch und unverbraucht selten hört. Historisch? Modern? Einfach gut!
VON ARNDT ZINKANT, MÜNSTER 13 · 04 · 10   
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